Mediennutzungsvertrag: Regeln, die die ganze Familie trägt
Kurz gesagt
- Ein Mediennutzungsvertrag hält fest, was ihr als Familie vereinbart habt: Zeiten, Orte, Apps, Käufe, Fotos, Kontakte.
- Er wirkt, weil ihn alle gemeinsam aushandeln und unterschreiben, auch mit Pflichten für die Eltern.
- Unten findest du eine Vorlage zum Ausdrucken. Streich, was nicht passt, und ergänze eure eigenen Regeln. Tipps für jüngere Kinder und Jugendliche stehen darunter.
- Den Vertrag regelmäßig anpassen: Mit jedem Jahr darf mehr Freiheit dazukommen.
Streit ums Handy entsteht selten, weil Kinder Regeln brechen wollen. Meistens gibt es gar keine klare Regel, sondern eine, die jeden Tag neu verhandelt wird. Ein Mediennutzungsvertrag schafft da Ruhe: Ihr setzt euch einmal zusammen, schreibt auf, was gilt, und hängt das Ergebnis an den Kühlschrank.
So wird der Vertrag zu eurem
- In ruhiger Stimmung anfangen, nicht direkt nach einem Streit.
- Dein Kind macht Vorschläge. Regeln, die es mitformuliert hat, hält es eher ein als verordnete.
- Regeln begründen. „Weil ich es sage“ überzeugt niemanden, „weil du sonst schlecht schläfst“ schon eher.
- Eltern unterschreiben mit Pflichten. Wer vom Kind handyfreie Mahlzeiten verlangt, legt das eigene Handy auch weg.
- Nach ein paar Wochen nachschauen. Was klappt, was nicht? Anpassen ist kein Scheitern, sondern der Plan.
Wie viel Bildschirmzeit ist ein guter Startwert?
Die Leitlinie der Kinder- und Jugendmediziner (AWMF-Leitlinie 027-075) nennt für die freie Bildschirmzeit, also ohne Schule, diese Obergrenzen:
| Alter | Empfehlung der Leitlinie |
|---|---|
| unter 3 Jahren | keine Bildschirmmedien |
| 3 bis 6 Jahre | höchstens 30 Minuten an einzelnen Tagen, gemeinsam mit einem Erwachsenen |
| 6 bis 9 Jahre | höchstens 30 bis 45 Minuten an einzelnen Tagen |
| 9 bis 12 Jahre | höchstens 45 bis 60 Minuten |
| 12 bis 16 Jahre | höchstens 2 Stunden |
Andere Stellen sind etwas großzügiger. Das Internet-ABC etwa nennt für 11- und 12-Jährige bis zu 90 Minuten oder ein Wochenbudget von rund zehn Stunden, SCHAU HIN! empfiehlt ab zehn Jahren ein Wochenkontingent. Für Ältere halte ich ein Wochenbudget für den besseren Weg: Dein Kind lernt, sich die Zeit selbst einzuteilen, und ein langer Filmabend am Samstag sprengt nicht gleich die Regel. Mehr dazu auf der Seite Wie viel Bildschirmzeit ist okay?
Die Vorlage
Drucke die Seite aus oder speichere sie als PDF (im Browser über „Drucken“). Beim Drucken erscheint nur der Vertrag. Kreuze an, was für euch gilt, streich den Rest und trag eigene Regeln in die freien Zeilen ein.
Unser Mediennutzungsvertrag
zwischen und , gültig ab
Zeiten
Meine freie Bildschirmzeit: Minuten am Tag oder Stunden in der Woche. Schule und Videoanrufe mit der Familie zählen nicht mit.
Am Wochenende gilt:
Abends ist ab Uhr Schluss mit Bildschirmen.
Ein Spiel darf ich noch speichern oder die Runde zu Ende spielen, wenn die Zeit um ist.
Orte und Situationen
Beim Essen liegen alle Handys weg, auch die der Eltern.
Bei den Hausaufgaben ist das Handy aus oder in einem anderen Raum.
Nachts schläft das Handy außerhalb meines Zimmers, zum Beispiel .
Apps und Spiele
Neue Apps und Spiele laden wir gemeinsam herunter.
Wir halten uns an die Altersfreigaben. Ausnahmen besprechen wir vorher.
Ich darf auch sagen, wenn mir ein Spiel oder Video Angst macht, ohne dass es gleich verboten wird.
Geld
Ich kaufe nichts in Apps und schließe keine Abos ab, ohne vorher zu fragen.
Für Spiele und Apps habe ich ein Budget von Euro im Monat.
Fotos, Videos und persönliche Daten
Ich fotografiere und filme andere nur, wenn sie einverstanden sind, und stelle nichts ohne Erlaubnis ins Netz.
Name, Adresse, Schule und Telefonnummer gebe ich nicht weiter.
Passwörter verrate ich niemandem außer meinen Eltern.
Kontakte
Ich antworte nicht auf Nachrichten von Fremden und schicke keine Fotos an Leute, die ich nicht kenne.
Ich treffe mich nie allein mit jemandem, den ich nur aus dem Internet kenne.
Wenn mich jemand bedrängt, beleidigt oder mir etwas komisch vorkommt, sage ich es meinen Eltern.
Das versprechen wir als Eltern
Wenn du uns von einem Problem erzählst, schimpfen wir nicht und nehmen dir nicht sofort das Handy weg.
Wir lesen deine Nachrichten nicht heimlich.
Wir halten uns selbst an die Regeln fürs Essen und für gemeinsame Zeit.
Wir posten keine Fotos von dir, ohne dich zu fragen.
Wir schauen uns an, was du spielst und gern siehst.
Unsere eigenen Regeln
Wir schauen uns den Vertrag am wieder gemeinsam an.
Anpassen nach Alter
Für jüngere Kinder bis etwa zwölf reichen oft die Abschnitte Zeiten, Orte, Apps und Kontakte. Bei ihnen dürfen die Regeln enger sein, und die Technik hilft beim Einhalten, zum Beispiel mit der Bildschirmzeit am iPhone oder Family Link.
Für Jugendliche wird der Vertrag eher zur Absprache unter Gleichen: Wochenbudget statt Minutenlimit, eigene Verantwortung für Kosten, dafür klare Regeln zu Fotos, Weiterleiten und Nachtruhe. Technische Sperren treten nach und nach zurück.
Lieber digital?
klicksafe und das Internet-ABC bieten mit mediennutzungsvertrag.de ein kostenloses Online-Werkzeug mit zwei Altersgruppen (6 bis 12 und über 12), vielen fertigen Regelvorschlägen und PDF-Ausdruck. Die Regeln lassen sich dort anklicken und bearbeiten.
Gehört zur Checkliste für das erste Handy übrigens auch: die Drittanbietersperre gegen Abofallen.
Quellen
- AWMF-Register: Leitlinie 027-075, Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs
- Medienleitlinie: Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
- Medienleitlinie für Eltern (PDF)
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Wie lange dürfen Kinder Medien nutzen?
- klicksafe: Bildschirmzeit bei Kindern von 6 bis 12 Jahren
- klicksafe: Bildschirmzeit bei Kindern von 12 bis 16 Jahren
- Internet-ABC: So viel Bildschirmzeit ist für Kinder in Ordnung
- Internet-ABC: Mediennutzungsvertrag
- SCHAU HIN!: Feste Bildschirmzeiten für Kinder vereinbaren
- mediennutzungsvertrag.de (klicksafe und Internet-ABC)