Was wurde aus dem I-KiZ?
Kurz gesagt
- Das I-KiZ Zentrum für Kinderschutz im Internet startete im September 2012, gefördert vom Bundesfamilienministerium und angebunden an jugendschutz.net.
- Es war Denkfabrik und Anlaufstelle zugleich: drei Fachkommissionen, Jahresberichte, das Netzwerk „Keine Grauzonen im Internet“ und die Hilfeplattform jugend.support.
- Zum 31.12.2016 wurde es aufgelöst. Die Aufgaben gingen an jugendschutz.net, den saferinternet.de-Verbund und die heutige Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz.
- i-kiz.de ist heute ein unabhängiger Eltern-Ratgeber und hat mit dem früheren Zentrum nichts zu tun.
Vielleicht bist du über einen alten Link hier gelandet: aus einem Zeitungsartikel, von einer Schulseite oder aus einem Jahresbericht. Viele Stellen verweisen bis heute auf „www.i-kiz.de“. Auf dieser Seite steht, was das I-KiZ war, was es geleistet hat und wo du die Angebote heute findest.
Wie das I-KiZ entstand
Am 10. September 2012 gab Bundesfamilienministerin Kristina Schröder in Berlin den Startschuss. Das Zentrum war ein Ergebnis des „Dialog Internet“, den das Ministerium 2010 angestoßen hatte. Dessen zentrale Empfehlung: Jugendschutz im Netz braucht ein intelligentes Risikomanagement, das die Vorsorge der Anbieter, technischen Schutz und Medienkompetenz zusammenbringt.
Das I-KiZ sollte beides sein, Denkfabrik für Fachleute und Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern. Als Vorbilder nannte das Ministerium Einrichtungen aus Großbritannien, Australien und den USA. Gefördert wurde das Zentrum vom Bundesfamilienministerium, organisatorisch war es an jugendschutz.net angebunden, mit klicksafe gab es eine Kooperation. Die Geschäftsstelle saß in Berlin, ab Ende August 2013 mit Jutta Croll als Geschäftsführerin.
Wie es arbeitete
Die inhaltliche Arbeit lief in drei Fachkommissionen:
- Maßnahmen, Vernetzung, internationale Zusammenarbeit, vor allem gegen Missbrauchsdarstellungen
- Wissen, Forschung, Technikfolgenabschätzung, etwa zur mobilen Internetnutzung und zu „Safety by Design“
- Prävention, Aufklärung, Meldemöglichkeiten, daraus entstand das Hilfesystem jugend.support
In den Kommissionen saßen Fachleute aus Bund und Ländern, Landesmedienanstalten, Wissenschaft, Strafverfolgung, Kinderschutzverbänden, Selbstkontrollen und Unternehmen der Internetwirtschaft. Eine Koordinierungsrunde mit Ministerium, Ländern, klicksafe und jugendschutz.net steuerte die Arbeit.
Was davon bekannt wurde
Safety by Design
Ein Schwerpunkt, der sich durch alle Jahresberichte zieht: Jugendschutz soll schon bei der Entwicklung eines Produkts mitgedacht werden, nicht erst nachträglich per Filter. Der Jahresbericht 2015 spielte das an Live-Video-Streaming, Smart-TVs und Apps für kleine Kinder durch.
Netzwerk „Keine Grauzonen im Internet“
Am 17. November 2014 stellte das I-KiZ unter der Schirmherrschaft von Ministerin Manuela Schwesig das Netzwerk gegen sexualisierte Kinderbilder vor, die unterhalb der Strafbarkeitsschwelle liegen können. Beteiligt waren unter anderem jugendschutz.net, die FSM, die Nummer gegen Kummer, Google und das Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ der Charité.
Am 30. Oktober 2015 verabschiedeten 37 Organisationen aus 15 Ländern in Berlin ein gemeinsames Communiqué „No Grey Areas on the Internet“. Das I-KiZ stellte es zum ersten Europäischen Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch am 18. November 2015 online, mit mehr als 30 Unterzeichnern. Die letzte Konferenz des Netzwerks unter dem Dach des I-KiZ fand am 14. November 2016 statt.
jugend.support
Das Rat- und Hilfesystem für ältere Kinder und Jugendliche ging am 19. Juni 2015 in die Testphase. Es führte zu Beschwerdestellen, zu den Hilfebereichen der Plattformen und zu Beratungsangeboten wie JUUUPORT.
Jahresberichte und Studien
Das I-KiZ veröffentlichte Jahresberichte für 2013, 2014 und 2015. Zum Bericht 2013 gab die Bundesregierung eine Stellungnahme ab. Dazu kamen Expertisen, etwa ein Kurzbericht des Deutschen Jugendinstituts zur Elternperspektive auf digitale Medien (2014) und eine Expertise des JFF zur Prävention (2015).
Das Ende zum 31.12.2016
Zum Jahresende 2016 wurde das I-KiZ aufgelöst. Laut der Hinweisseite, die danach unter dieser Adresse stand, gingen die wichtigsten Arbeitsbereiche in bestehende Strukturen über:
- Das Netzwerk Keine Grauzonen sollte jugendschutz.net koordinieren.
- jugend.support entwickelten die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz und der saferinternet.de-Verbund weiter.
- Die Forenfunktion des I-KiZ, also das Zusammenbringen der Fachleute, wollte das Ministerium auf eine modernisierte Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien übertragen.
Eine offizielle Begründung für die Auflösung habe ich nicht gefunden. Bemerkenswert ist, dass die Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder noch im Mai 2015 beschlossen hatte, das Zentrum dauerhaft zu verankern.
Was daraus wurde
- Aus der Bundesprüfstelle wurde am 1. Mai 2021 die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) in Bonn. Sie führt die Indizierungsliste, entwickelt den Jugendmedienschutz weiter und kann Plattformen zu Vorsorgemaßnahmen verpflichten.
- Seit dem 14. Mai 2024 gibt es bei der BzKJ die Stelle zur Durchsetzung von Kinderrechten in digitalen Diensten (KidD), die Plattformen nach dem Digital Services Act überwacht.
- jugend.support gibt es nicht mehr. Die Förderung lief Ende 2022 aus, die Hilfsangebote führt JUUUPORT weiter. Die alte Adresse leitet dorthin.
- jugendschutz.net ist das Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Jugendschutz im Internet und nimmt Meldungen zu gefährdenden Inhalten an.
Wo du heute Hilfe und Informationen findest
- jugendschutz.net: Inhalte melden
- Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz: Orientierung für Eltern und Fachkräfte
- klicksafe und saferinternet.de: Material zur Medienkompetenz
- JUUUPORT: Beratung von Jugendlichen für Jugendliche
- SCHAU HIN!: Elternratgeber zur Mediennutzung
Die wichtigsten Telefonnummern und Beratungsstellen mit Erreichbarkeit stehen auf der Seite Hilfe holen.
Und was ist i-kiz.de heute?
Nach 2016 lag die Adresse einige Jahre bei wechselnden Inhabern, zeitweise mit Inhalten, die mit Kinderschutz nichts zu tun hatten. Seit September 2026 betreibe ich hier einen unabhängigen Ratgeber für Eltern: Kindersicherung einrichten, Apps und Altersgrenzen, Risiken erkennen und Regeln im Familienalltag. Aus Respekt vor der Arbeit des früheren Zentrums gilt hier: kein altes Logo, kein Auftreten als Behörde und in den Bereichen zu Risiken und Hilfe keine Werbung.
Quellen
- BMFSFJ-Pressemitteilung vom 10.09.2012 zur Gründung (Internet Archive)
- FU Berlin: Herbert Scheithauer als Experte für Kinderschutz im Internet berufen (13.09.2012)
- I-KiZ: Über das I-KiZ (Internet Archive, 2014)
- I-KiZ: Jahresbericht 2015 (Internet Archive)
- I-KiZ: Hinweisseite zur Auflösung (Internet Archive, 2018)
- FSF-Blog: Happy Birthday! (03.09.2013)
- heise online: Einbau von Kindersicherheit und Jugendschutz in die Technik gefordert (19.09.2013)
- Präventions-News: Netzwerk „Keine Grauzonen im Internet“ (23.11.2014)
- Bundesregierung (Archiv): Mehr Kinderschutz im Internet
- bpb, Aus Politik und Zeitgeschichte: Jutta Croll, Im Mittelpunkt das Kind (2018)
- BzKJ: Bundesprüfstelle wird zur Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz
- KidD: Die Stelle zur Durchsetzung von Kinderrechten in digitalen Diensten nimmt ihre Arbeit auf
- JUUUPORT: Hinweis zum Ende von jugend.support
- jugendschutz.net: 20 Jahre jugendschutz.net (PDF)